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im Januar 2000
Die 180 km bis zur Küste geht's auf der schon bekannten Autobahn wieder zurück. Ein Stop an die roten Dünen ist noch eingeplant. Von der naheliegenden Aussichtsdüne geht der Blick weit ins rötliche Hinterland. Es ist schön, eine solche Dünenlandschaft wieder zu sehen, wenn sie auch in keiner Weise vergleichbar mit dem libyschen Erg Ubari oder Murzuk ist. Verblüfft bemerke ich zwei arbeitende Planierraupen zwischen den Sandhügeln; sie schieben gerade eine tiefere Senke zu. Es kann doch wohl nicht wahr sein. Hat hier etwa der Onkel des amtierenden Scheichs und gleichzeitige Tourismusminister seine Hände oder besser seine Millionen im Spiel? Sind die Dünen gar nur für Touristen zusammengeschoben worden? - Unser Bus hängt hinter einem gemütlich dahinzuckelnden Kleinwagen und der Fahrer in weißem Nachthemd denkt nicht dran, Platz zu machen. Da es Bussen offenbar verboten ist, die einzige Überholspur zu benutzen, könnte und dürfte der Mufti vor uns nach links oder rechts ausweichen, wenn er denn wollte. Aber er will nicht. Irgendwann will er dann aber doch. Ich freue mich, wir zweigen auf eine weitere Autobahn ab, die etwa am Freihafen, folglich südlich von Dubai einmünden müßte. Tatsächlich, unser Hotel wird als erstes angesteuert. Die Äuglein unserer Mitreisenden werden angesichts des ins Land hinausreichenden, grünen Golfplatzes und des herrlichen Palmenparks - ohne jegliche Baustelle weit und breit - immer größer, wie ich bemerke. Als Knaller noch: ein Pfau mit geschlagenem Rad steht in der Kurve. Gabi und ich wünschen den anderen denn gute Fahrt ins Hotel, steigen aus und wenden uns den blütenumsäumten Stufen in Richtung Hoteleingang zu. Der Bus mit frustriert und neidisch zurückblickenden Gesichtern macht sich schnell davon. Ich bin mir allerdings sicher, daß jetzt im Bus düstere Pläne wegen "Entgangener Urlaubsfreuden" geschmiedet werden. Und daß spätestens beim Anblick der Kräne, Bagger und Planierraupen um die eigenen Hotels, wild der Entschluß gefaßt wird, ihrem Reisebüro nochmals einen Besuch zwecks Wiedergutmachung abzustatten. Wir dagegen denken nur an ein kühles Helles. Am Jachthafen ist bis 19 Uhr Happyhour, wie wir gestern schon festgestellt hatten. Bei 30 %-iger Verbilligung schmeckt das Bier auch besonders lecker und wir wollen es daher vor dem Abendschmaus zur täglichen Gewohnheit werden lassen. Bei den Jachten ist immer wenig Betrieb, obgleich sich jede einzelne Motorjacht wirklich sehen lassen kann. Tolle Dinger, insbesondere das Vielmillionending vom Oberscheich natürlich, in der sogar rund um die Uhr Personal beschäftigt ist. Ich kann mir das erhabene Gefühl des Scheichs vorstellen, wenn er in seinem luftigen, an höchster Stelle angebrachten und überdachten Pilotensitz Platz nimmt, den Gashebel langsam nach vorne schiebt, am niederen, gaffenden Volk des Hotels vorbeizieht hinaus aufs offene Meer und dann den Gashebel voll durchdrückt. Im einfachen, aber mit umsomehr Fernsehern (mit Sportsendern) bestückem Gastraum ist auch nicht viel los: lediglich eine englische Gruppe, die Pfeilewerfen spielt und ein Pärchen, das sich eine Minute vor 19 Uhr noch schnell das 2. Bier bestellt. Wir jedoch bezahlen bzw. lassen aufs Zimmer schreiben. Denn ich habe immer noch keine Dirhams. Beim ersten Versuch eines Geldtauschs am Freitag (hier bedeutet es nämlich Sonntag) war die Hotelbank dunkel, beim nächsten Versuch am Samstag kam ich exakt eine Sekunde zu spät. Es ist allerdings auch kein Unglück, da Anschreiben oder Zahlung mit Karte in den Emiraten eigentlich überall möglich ist. Draußen ist es bereits dunkel und der Halbmond, in diesen südlichen Gefilden liegend als Schiffchen, steht am Himmel. Ein herzzerreißendes Miauen ertönt und ein Kätzchen drückt sich immer wieder um unsere Beine. Es will aber nur gestreichelt und beachtet werden. |
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